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18. Mai 2012 5 18 /05 /Mai /2012 14:15

Die militärischen Kämpfe im Irak, Afghanistan und Pakistan haben nach Einschätzung von Experten bis zu 1,7 Millionen Todesopfer gefordert. Das ergab der am Freitag in Berlin veröffentlichte Bericht "Opferzahlen nach zehn Jahren Krieg gegen den Terror" der Ärzte-Vereinigung IPPNW.

Demnach ändere der Einsatz von Präzisionswaffen nichts am weiterhin hohen Anteil getöteter Zivilisten in sogenannten asymmetrischen Kriegen. Laut Bericht verzeichnet der Irak mit 1,5 Millionen die mit Abstand meisten Todesopfer seit der US-geführten Invasion 2003, darunter mindestens 125.000 Zivilisten.

In Afghanistan liege die Zahl der Kriegsopfer inklusive Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen, afghanischen Sicherheitskräften und Soldaten mindestens bei 70.604 Toten, davon mehr als 43.000 Zivilisten.

Die Anzahl der durch den Krieg indirekt durch Flucht, Hunger und medizinische Mangelversorgung zu Tode gekommenen Afghanen wird nach den Bombenangriffen 2001 bis zum Mai 2002 auf 20.000 bis 49.600 geschätzt. In Pakistan fielen bisher 2.300 bis 3.000 Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer, davon circa 80 Prozent Zivilisten.

Quelle: http://www.domradio.de/news/81907/experten-1-7-millionen-tote-bei-militaereinsaetzen-gegen-terror.html

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IPPNW-Pressemitteilung vom 18.5.2012 [Report "Body Count" als pdf-Datei]

Body Count - Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror"

Zu einer realitätsnahen Schätzung der Opfer asymmetrischer Kriege

Nach dem Häuserkampf, Fallujah, Irak, Foto: Lance Cpl. James J. Vooris

  Der "Krieg gegen den Terror" hat allein im Irak, Afghanistan und Pakistan zu 1,7 Millionen Todes-Opfern geführt. Das ist das Ergebnis des IPPNW-Reports "Body Count - Opferzahlen nach zehn Jahren Krieg gegen den Terror". "Präzisionswaffen ändern nichts am hohen Prozentsatz getöteter Zivilisten in asymmetrischen Kriegen", erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Jens Wagner. Der Einsatz von Phosphorbomben, Streumunition, DIME- und Uranmunition sowie das brutale Vorgehen der Besatzungstruppen zum Beispiel in Fallujah und Basrah zeigten das unmenschliche Gesicht des Krieges.

Die Autoren Joachim Guilliard, Lühr Henken und Knut Mellenthin haben für den Report systematisch wissenschaftliche Studien über die Toten auf beiden Seiten der Kriege im Irak, Afghanistan und Pakistan zusammengestellt und aktualisiert. Für diese Länder ziehen sie eine Bilanz über den humanitären Preis des Krieges.

So hat der Irak von der Invasion im Jahr 2003 bis heute 1,5 Millionen Todesopfer durch direkte Gewalteinwirkung zu verzeichnen. Spätestens seit der medizinisch-epidemiologischen Studie in der Zeitschrift Lancet über die Mortalität im Irak von 2006, dürfte das wahre Ausmaß der Zerstörung durch das überlegene US-Waffenarsenal und das entstandene Chaos durch die Besatzungstruppen deutlich geworden sein. Trotzdem beziehen sich fast alle Medien bezüglich der Opferzahlen im Irak bis heute auf den Irak Body Count, ein Projekt das weniger als 10% der Kriegsopfer registriert.

Was die Opferzahlen in Afghanistan betrifft, ist die Datenlage schlechter als im Irak. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Kriegsopfer inklusive Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen, afghanischen Sicherheitskräften, ISAF und OEF Soldaten keinesfalls unter 70.604 liegt. Wahrscheinlich ist die Anzahl getöteter Zivilisten höher als 43.000. Die Anzahl der durch den Krieg indirekt, also durch Flucht, Hunger und medizinische Mangelversorgung zu Tode gekommenen Afghanen wird nach den Bombenangriffen 2001 bis zum Mai 2002 auf 20.000-49.600 geschätzt.

In Pakistan fielen bisher 2.300 bis 3.000 Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer, davon ca. 80% Zivilisten. Die weitaus größte Anzahl von Kriegsopfern (40.000-60.000) entsteht allerdings durch Kämpfe der von der US-Regierung unterstützten pakistanischen Armee mit unterschiedlichen Widerstandsgruppen.

Der IPPNW-Report schlussfolgert: Von einer objektiven und kontinuierlichen Berichterstattung über Kriege kann keine Rede sein. Während Kriege mit sehr hohen Opferzahlen, wie zum Beispiel der seit Jahren andauernde Krieg im Kongo, kaum Beachtung findet, wird über Menschenrechtsverletzungen in Syrien laufend berichtet. In Libyen endete die Berichterstattung praktisch mit der Ermordung Gaddafis, in Bahrein verschwanden Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Tötungen von Demonstranten von der Tagesordnung. Hintergrundinformationen, historische, geographische, gesellschaftliche und kulturelle Tatsachen werden insbesondere dann nicht zur Verfügung gestellt oder verfälscht, wenn aktuelle politische Ziele dem entgegenstehen.

Sie finden den Report "Body Count - Opferzahlen nach 10 Jahren Krieg gegen den Terror" unter www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Body_Count_Opferzahlen2012.pdf

Kontakt: Jens-Peter Steffen, Tel. 030-69807413, Mobil 0160 - 94 162 973, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin

 

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Mindestens 4 Billionen US-Dollar an Kriegskosten

Eine US-Studie hat versucht, eine Bilanz des Kriegs gegen den Terror zu ziehen

Der Globale Krieg gegen den Terror (GWOT), den US-Präsident Bush 2001 nach den Anschlägen auf das WTC und das Pentagon ausgerufen hat, war nicht nur ein teures und verschwenderisches Unternehmen, das noch immer nicht beendet ist, sondern hat auch vielen Zivilisten in Afghanistan, im Irak, in Pakistan und in anderen Ländern das Leben gekostet.

Das Eisenhower Research Project an der Brown University hat versucht, in einer multidisziplinären Studie die Kriegskosten für die Menschen und die Wirtschaft abzuschätzen, auch um zu eruieren, ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, um in Zukunft Ziele ohne militärische Interventionen dieser Größenordnung zu erreichen.

Todesopfer unter den US-Soldaten hat es in den Kriegen seit 2001 relativ wenige gegeben. 6.051 Soldaten sind bislang gestorben, unbekannt aber sei, wie viele Soldaten verwundet, krank und traumatisiert zurückgekehrt sind. Bis letzten Herbst wurden 550.000 Anträge auf Behindertengeld wurden eingereicht. Von den alliierten Soldaten sind 1.192 getötet worden, 18.678 Sicherheitskräfte in Afghanistan und im Irak kamen ums Leben, in Pakistan waren es 3.520. Dazu kommen 2.300 Todesopfer bei den US-Söldnern, hier wisse man aber die genauen Zahlen nicht.

44.000 US-Soldaten sind im Kampfeinsatz verletzt worden, rechnet man die übrigen Verletzten und Erkrankten hinzu, steigt die Zahl schon fast auf 100.000, wobei Traumatisierungen (170.000) und andere psychische Erkrankungen nicht einbezogen werden. Rechnet man die Verletzten unter den Alliierten hinzu, kommt man auf mehr als 200.000 Soldaten.

Mindestens 137.000 Zivilisten seien im Irak (125.000) und in Afghanistan(12-14.000) durch die Kämpfe und Anschläge getötet worden. Für den unerklärten Krieg in Pakistan geht der Bericht von mindestens 35.000 Todesopfern aus, die Mehrzahl starb in den Jahren ab 2006. Rechnet man Todesopfer bei den Zivilisten und Soldaten zusammen, kommen die Wissenschaftler auf 225.000, konservativ geschätzt.

Dazu kommen noch viele Flüchtlinge. Allein im Irak haben 3,5 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen oder sind vertrieben worden, davon sind 1,8 Millionen ins Ausland geflohen. 58 Prozent der Haushalte haben keine Lebensmittelsicherheit. Allein in Bagdad soll es 250.000 Obdachlose geben. Insgesamt sollen 7,8 Millionen Menschen vor dem Krieg geflüchtet sein.

Eine Folge des Kriegs gegen den Terror ist die Einschränkung der Bürgerrechte im eigenen Land und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in den Kriegsgebieten. Profitiert haben vor allem Rüstungsindustrie und private Sicherheitsunternehmen. Umweltbelastungen sind auch nicht gering zu schätzen. Im Krieg steigt der Treibstoffverbrauch, werden Gifte verbreitet, das Wasser mit Öl und Giften von Waffen belastet und nicht zuletzt abgereichertes Uran durch die Munition in der Umwelt abgeladen.

Über Alternativen zum Krieg wurde nicht nachgedacht

Die wirtschaftlichen Kosten gehen weit über die reinen Kriegskosten hinaus. Vom Pentagon wurden schätzungsweise 1,3 Billionen US-Dollar ausgegeben. Konservativ geschätzt geht der Bericht von Kosten und noch zu zahlenden Schulden in Höhe von 4 Billionen US-Dollar aus, was in etwa so viel ist, wie auch die Harvard-Ökonomin Linda Bilmes und der ehemalige Weltbank-Chef und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz geschätzt haben (Der Billionen-Krieg im Irak als Ursache für die Wirtschaftskrise?). Die Kriege wurden von der US-Regierung durch Schuldenaufnahme bezahlt. In den zehn Jahren musste dafür alleine schon 185 Milliarden US-Dollar an Zinsen bezahlt werden. Zum Krieg gehören nicht nur die direkten Kriegskosten, sondern beispielsweise auch die Gelder, die an Militärhilfe für befreundete Staaten flossen. Auch Gelder in Höhe von vielen Milliarden vom Außen- und Entwicklungshilfeministerium dienten Kriegszielen.

Dazu kommt die Aufrüstung für die innere Sicherheit an der Heimatfront, der Bericht geht von 400 Milliarden USD aus. Kriege belasten auch die Zukunft und die nächsten Generationen. Erst in 30-40 Jahren werden die Kosten für Behinderungen und medizinische Versorgung der Veteranen einen Höhepunkt erreichen. Insgesamt könnte das allein eine Billion USD kosten. Und dann kommen noch die Schulden. Auch hier könnten bis 2020 eine Billion USD alleine für die Zinsen fällig werden.

Die Wissenschaftler sagen, dass sie viele Faktoren der Kriegskosten überhaupt nicht einberechnet haben, vor allem nicht den Schaden, der in Afghanistan, im Irak und in Pakistan entstanden ist, aber auch indirekte Folgen für die Wirtschaft der USA und der Aliierten. Viele Folgen könne man auch gar nicht quantifizieren, zumal Kriege immer die Welt verändern. Man habe nur einen Anfang gemacht.

Die Wissenschaftler halten aber fest, dass die Regierenden nach dem 11.9. über Alternativen zum Krieg gar nicht wirklich nachgedacht haben. Erfolg versprechender sei es nach einer Analyse staatlichen Vorgehens gegen Terrorismus, wenn dieser mit den Mitteln der Polizei und der Geheimdienste bekämpft werde oder man eine friedliche politische Verständigung finde. Gefordert wird jedenfalls von der US-Regierung, die Kriegskosten transparent zu berichten und diese nicht zu verschleiern.

Quelle: Florian Rötzer  http://www.heise.de/tp/artikel/35/35036/1.html

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Published by Entrüster - in Afghanistan
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Kommentare

MoIam 06/01/2012 13:26

In Afghanistan seien bis zu 150 000 Menschen gestorben. In Pakistan starben bis zu 3000 Menschen durch US-Drohnenangriffe, davon 80 Prozent Zivilisten.(epd)

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