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6. März 2010 6 06 /03 /März /2010 11:47

Militärdienstleiste: 

Seit die Bundeswehr im Ausland im Einsatz ist, freut sich die Düsseldorfer Firma Ecolog über das militärische Engagement. Ecolog wäscht die Uniformen der Soldaten, entsorgt ihren Müll, beseitigt ihr Abwasser und versorgt die Technik der Truppe mit Treibstoff.

Die lange Geschäftsbeziehung, die 1999 im Kosovo begann und in Afghanistan fortdauert, überrascht: Mehrfach schon versagte der Dienstleister in der Qualität seiner Arbeit, wie gemeinsame Recherchen der Frankfurter Rundschau und der Wirtschaftswoche zeigen. Trotzdem hält die Bundeswehr zu Ecolog und vergibt viele Aufträge an die Firma freihändig, also ohne sie auszuschreiben.

2006 wunderten sich deutsche Soldaten im Camp Mazar-e-Sharif über die Farben ihrer Uniformen. Nachdem Ecolog sie mehrmals gewaschen hatte, hatten sie einen pinkfarbenen Stich. Das Waschmittel enthielt "optische Aufheller", wie Bundeswehrwissenschaftler Ende 2006 feststellten. Mag die Farbe für Gelächter unter den Soldaten gesorgt haben - das falsche Waschmittel hätte fatale Folgen haben können: Es beeinträchtigte den Tarneffekt der Uniformen. Mit Hilfe entsprechender Sichtgeräte wären die Soldaten in ihrer Kluft nachts besser zu sehen gewesen. Das Verteidigungsministerium erklärt dazu jedoch: "Über eine mögliche Beeinträchtigung der Sicherheit der bei nächtlichen Patrouillen eingesetzten deutschen Soldaten liegen keine Erkenntnisse vor." Zweimal änderte die Bundeswehr die Verträge mit Ecolog und schrieb dann vor, nur bestimmte Waschmittel zu verwenden.

2007 fand die Bundeswehr heraus, dass Ecolog das "Schwarzwasser", also das Abwasser aus den Sanitäranlagen, nicht sachgerecht aufbereitet hatte: Die von Ecolog verwendete Anlage "entsprach nicht dem Stand der Technik und gab Anlass zu Zweifeln an einer effektiven Abwasserbehandlung". Auch hatte das Unternehmen das Abwasser nur wenige Kilometer entfernt auf Felder verrieselt. Das sei zwar nicht verboten, so das Verteidigungsministerium. Doch das Kontingent musste den Vertrag mit Ecolog kündigen und den Auftrag neu ausschreiben. Der neue Dientsleister wurde dann - Ecolog.

Probleme gab es auch mit dem von der Firma gelieferten Diesel, weil er ausflockte und die Filter der Maschinen hätte verstopfen können. Mit Zusatzstoffen muss der Diesel grundsätzlich auf extreme Kälte oder Hitze vorbereitet werden.

Ecolog-Vorstand Thomas Wachowitz sagte der Frankfurter Rundschau und der Wirtschaftswoche: "Das Vorkommen von Leistungsstörungen ist an sich nichts Ungewöhnliches." Um die Qualität der Brennstoffe zu garantieren, setze Ecolog nun ein eigenes Prüflabor ein.

Wettbewerb durch Beteiligung

Über die freihändigen Vergaben von Aufträgen an Ecolog berichtete der NDR Anfang Dezember 2009. Das löste eine interne Untersuchung des Verteidigungsministeriums aus. Auf Nachfrage räumte das Verteidigungsministerium ein, dass "vor allem in den frühen Phasen der Einsätze Kfor und Isaf" die freihändige Vergabe von Jobs an Ecolog erfolgte.

Recherchen der FR zufolge scheint das nach wie vor der Fall zu sein: In einem Brief an den Verteidigungsausschuss schreibt der Parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums, Thomas Kossendey, "dass ein großer Teil der Beschaffungen im Wege der freihändigen Vergabe erfolgt, wobei regelmäßig versucht wird, Wettbewerb durch Beteiligung von mindestens drei Firmen an der Angebotsabgabe herzustellen". Das Schreiben liegt der FR vor. Der Abschlussbericht zu den Geschäftsbeziehungen zu Ecolog soll im Juni vorliegen.

Zuständig für die freihändigen Vergaben sind die Einsatzwehrverwaltungsstellen an den Einsatzorten. Sie dürfen bis zu einer Summe von 193.000 Euro Aufträge vergeben. Was mehr kosten würde, muss EU-weit ausgeschrieben werden. Mit kürzeren Vertragslaufzeiten wäre es theoretisch möglich, den Grenzwert zu unterschreiten - und so eine freihändige Vergabe zu begründen.

Ecolog steht als Name für eine komplizierte Verflechtung verschiedener Unternehmen in mehreren Ländern: Ecolog-Gesellschaften gibt es in den USA, der Türkei, Mazedonien, China, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Rund 3000 Beschäftigte sollen insgesamt der Ecolog-Familie angehören, gerade mal 30 bis 35 davon stehen auf dem Gehaltszettel der deutschen Firma.

Nach Angaben eines Insiders der Firmen-Geschäfte seien die Firmen juristisch aber nicht miteinander verbunden. Er spricht von einer Konstruktion, um größere Steuerzahlungen in Deutschland zu vermeiden.

Firmen-Vorstand Wachowitz, ausgebildeter Diplomfinanzwirt und früherer Finanzbeamter, sieht sich "verpflichtet, sein Unternehmen unter anderem steueroptimiert zu führen". Er beschreibt das Ecolog-Firmengeflecht als einen "Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die zusammenwirken, um eine einzige Dienstleistung vor Ort zu erbringen."

Die deutschen Soldaten sind nicht die Einzigen, für die Ecolog wäscht und aufräumt. Im Irak steht Ecolog den US-Truppen zu Diensten. Firmen-Vorstand Wachowitz sagt: "Die Bundeswehr ist nicht unser größter Kunde, aber unser liebster." Allein 2010 soll der Haushaltsplan des Verteidigungsministeriums laut NDR für die Firma Aufträge im Wert von rund 50 Millionen Euro vorsehen.

Im Jahr 2006 wurden vier mazedonische Mitarbeiter von Ecolog in Afghanistan entführt und kurze Zeit später erschossen aufgefunden. Unter den Getöteten war auch ein Mitglied der Gründerfamilie Destani. Ob es noch mehr Opfer unter den Ecolog-Mitarbeitern gegeben hat, will Ecolog-Vorstand Wachowitz nicht sagen.

In Deutschland ist der 31-jährige Nazif Destani Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Er ist deutscher Staatsbürger mazedonischer Abstammung. Ein Gespräch mit ihm hat die Firma stets ausgeschlagen.

Militär-Outsourcing: Wenn Söldner streiken

Q: <http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2388702_Die-Bundeswehr-ist-unser-liebster-Kunde.html>

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