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5. März 2013 2 05 /03 /März /2013 23:05

Kinder als Textilarbeiter in Indien. Wenn globales Profitstreben auf vormoderne Traditionen trifft, die Industrialisierung auf archaische soziale Muster, dann sind die schwächsten Glieder der Kette die Opfer: Frauen und Kinder. So auch in Indien. Sozialarbeiter versuchen hier, Kinder aus den Klauen von Fabrikbesitzern zu retten.

Die kleinen Fabriken, die sich hier im Norden Neu-Delhis niedergelassen haben, verdienen fraglos die Bezeichnung 'dunkle Hinterhofklitschen'. Eine Gruppe Sozialarbeiter - verstärkt von mit langen Stöcken bewaffneten Polizisten - zwängt sich durch Gassen, in die kein Sonnenstrahl je gedrungen ist.

Es geht eine enge Treppe hinauf. Dann stehen alle plötzlich in einem Raum. Hier sitzen etwa 30 Arbeiter an Nähmaschinen. Darunter auch - zwei verdächtig jung aussehende:

Die Männer, die gekommen sind, um die Jungs zu befreien, fragen nach Namen und Ausweisen. Papiere haben die beiden nicht. Und da offensichtlich ist, dass sie sowohl Kinder sind als auch eben noch Blue Jeans zusammengenäht haben, müssen sie ihre Sachen packen und mitkommen:

"Habt keine Angst. Wir sperren Euch nicht ein. Euer Arbeitgeber muss eine Strafe zahlen. Und Ihr kommt frei und nach Hause."

Sozialarbeiter Rizvan versucht die völlig verschüchterten Jungs zu beruhigen. Nicht alle Rettungs-Aktionen, bei denen Kinder aus den Klauen von Fabrikbesitzern befreit werden, verlaufen so glimpflich wie diese: keine Prügelei. Niemand, der sich mit Waffengewalt dagegen wehrt, dass ihm seine viel zu jungen und gerade deshalb so billigen Arbeitskräfte flöten gehen:

Ich bin nur zum Urlaubmachen da. Und um Nähen zu lernen, beteuert Jagpal. Ausreden, die Arbeitgeber den Kleinen eingetrichtert - bisweilen auch eingeprügelt haben. Dabei gilt für über 90 Prozent der Kinder: Sie sind den Eltern weit weg von Delhi entweder gewaltsam entrissen oder abgeschwatzt worden:

"Kein Kind arbeitet freiwillig. Ein 12-Jähriger reist auch nicht freiwillig 800 oder 900 Kilometer ganz allein. Der kann doch noch nicht mal den Ticketschalter erreichen. Die werden hierher verschleppt und dann einer Gehirnwäsche unterzogen. Sie sollen sagen, dass sie 18 sind und so weiter."

Fest steht: Kinderhände nähen in Indien noch immer massenweise Kleidungsstücke zusammen. Auch solche, die Deutsche und Europäer am Leib tragen. Offiziell wird die Zahl der Kinderarbeiter in Indien mit fünf Millionen angegeben. Hilfsorganisationen gehen eher von 50 Millionen aus. Nicht alle schuften in Fabriken, viele arbeiten in indischen Haushalten oder auch als Teeverkäufer. Aber es gibt Hoffnung:

"Ich denke, dass westliche Firmen sich des Problems einigermaßen bewusst sind. Die Konsumenten im Westen sind wachsam und sensibel für das Thema Kinderrechte."

Skandale könnten sich die großen Bekleidungsketten heute nicht mehr leisten, erklärt Shireen Miller von Save the Children. Vor wenigen Jahren deckten Journalisten auf, dass 10- bis 13-jährige Sklavenarbeiter Blusen für die berühmte Kette GAP herstellten. Einen solchen Imageverlust können sich die bekannten Marken heute nicht mehr erlauben. Aber jeden Sub-Sub-Unternehmer in Indien könne man natürlich auch nicht kontrollieren:

"Es ist wichtig zu wissen: Wenn Sie etwas wirklich Billiges kaufen, etwas wirklich Billiges - dann ist das mit dem Schweiß einer armen Frau oder eines armen Kindes irgendwo angefertigt worden."

Der kleine Jagpal - gerade gerettet - wird wohl bald zu seinen Eltern zurückkehren. Das ist allemal besser als in einer Fabrik zu schuften. Nur: Wirkliche Rettung für seine Familie, für die Gesellschaft bedeutet das nicht. Denn das Grundproblem bleibt bestehen: die bittere Armut.

Wenn kleine Hände nähen

als mp3

Links bei dradio.de:

Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/weltzeit/2030447/

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Published by Entrüster - in Menschenrechte
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