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Das Gebiet von Mardscha steht für den Opiumanbau wie die Champagne für Schaumwein.
Major Jim Coffman ist zufrieden: "Das ist eine gute Nachricht", sagt der Reserveoffizier der US-Marines. "Die Opiumernte in diesem Jahr ist so schlecht ausgefallen wie noch nie." Doch was den Amerikanern in Afghanistan in die Hände spielt, bringt Bauern in Existenznot. Jahrelang haben die Taliban sie gedrängt, Schlafmohn anzubauen, die Hälfte der Weltproduktion von Opium stammt aus der Provinz Helmand. Daran hat sich auch nicht viel geändert, seit die Marines die Stadt im Februar übernommen haben.
Der Kampf gegen die Drogen soll sich in diesem Jahr ganz auf die Hintermänner konzentrieren. Die Bauern auf den Feldern, die dort am Nachmittag die Mohnkapseln anritzen, um am nächsten Morgen den klebrigen, schwarzen Saft mit primitivem Werkzeug abzukratzen, bleiben bei ihrer Arbeit unbehelligt.
"Mich stört es nicht, wenn sie Opium ernten", sagt Coffman. Er will Vertrauen gewinnen. Würde man die Mohnfelder zerstören, so fürchtet er, brächte man die Bauern gegen sich auf. Die sehen in den Amerikanern ohnehin keine Befreier. Denn mit den Marines kam der Krieg zurück nach Mardscha, wo die Taliban mit aller Strenge für Ordnung und Sicherheit sorgten.
Die Nato-Soldaten wollen an bessere Tage anknüpfen. Entwicklungshelfer aus den USA haben in den 50er- und 60er-Jahren Kanäle gebaut und mit Wasser des einige Kilometer östlich fließenden Helmand-Flusses gefüllt. Seitdem wächst in der Stadt, die eher eine Ansammlung von Dörfern ist, alles, was die glühende Hitze von 50 Grad aushält. Doch wo das Wasser nicht hinreicht, beginnt abrupt die staubige Wüste, der auch Ziegenherden nicht viel abgewinnen können.
Ohne Druck sollen die Bauern ihre Produktion in diesem Jahr umstellen. Die Marines verteilen dazu Saatgut und Dünger an all diejenigen, die sich registrieren lassen. So entsteht nebenbei ein vorläufiges Kataster der Stadt, in der die Eigentumsverhältnisse häufig unklar sind. Jede Regierung hat Land an wohlgesonnene Bauern verteilt, oft auch das von Flüchtlingen, die jetzt wieder zurückgekehrt sind.
"Afghanistan - meine schlimmste Station"
Mohammed Alof hat von einem afghanischen Soldaten gehört, dass er für 1000 Afghani (17 Euro) Waren im Gegenwert des Zehnfachen erhält. "Ich hätte am liebsten Baumwolle, Weizen, Mais und Bohnen", sagt der 45-Jährige. Viele Bauern fürchteten sich aber, berichtet der hagere Mann mit dem ausgemergelten Gesicht. "Sie haben Angst vor dem Heimweg." Wen die Taliban mit den Säcken der Amerikaner erwischen, der muss um sein Leben fürchten. Für ihn sind es nur 30 Minuten. Die hofft er unbehelligt zu schaffen.
Mit einem zweiten Programm wollten die Marines Bauern dazu bewegen, ihre Schlafmohnfelder freiwillig zu zerstören. 300 $ gab es pro Hektar. 556 Bauern haben über 2000 Hektar dafür angemeldet. Illusionen über den Erfolg hat Coffman keine: "Viele Bauern sagten uns, dass sie die Felder zerstört haben, und trotzdem fanden die Überprüfungsteams die Äcker unberührt." Die ganz Gewieften haben während der sieben Tage, die sie nach der Anmeldung Zeit hatten, erst das Opium geerntet und dann die Mohnkapseln umgehackt. "Die haben beide Geschäfte gemacht", sagt Coffman und schiebt leise hinterher: "Verständlich."
Coffman ist nach sieben Monaten in Afghanistan frustriert. "Wir fantasieren von Schulen, Kliniken, Handel und Frieden, trotzdem versuchen die Afghanen ständig, uns zu hintergehen." Viermal war der Major, der in den USA als Pharmavertreter arbeitet, bereits im Auslandseinsatz. Mit seinen zivilen Projekten hat er vielen in Mardscha geholfen. "Ich wollte unbedingt nach Afghanistan", sagt er, "aber es war meine schlimmste Station."
Quelle:<http://kurz.es/06894b>