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Remittances – Rücküberweisungen – übertreffen die offizielle Entwicklungshilfe um ein Dreifaches. Es ist das Geld, das Migranten in ihre Herkunftsländer schicken, um die Familie zu unterstützen. 2016 waren das laut Weltbank rund 575 Milliarden US-Dollar. Die Zahlungen sind längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Verschickt wird das Geld vor allem von Migranten, die Familie und Freunde in ihrer Heimat finanziell unterstützen.
Diese Rücküberweisungen – oder Remittances auf Englisch – haben sich seit der Jahrtausendwende vervierfacht: Rund 575 Milliarden US-Dollar wurden 2016 nach den jüngsten Schätzungen der Weltbank auf diesem Weg transferiert.
Der größte Teil davon - 429 Milliarden Dollar - wurde in Entwicklungsländer geschickt. Damit seien diese Zahlungen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden, sagt Kirsten Schuettler von der Weltbank in Washington, D.C.:
"Remittances sind weltweit dreimal so hoch wie die offizielle Entwicklungshilfe und stabiler als private Kapitalflüsse. Und wenn man China herausnimmt, sind Remittances sogar höher als ausländische Direktinvestitionen. Das heißt, sie sind für viele Länder eine wichtige Einnahmequelle von Fremdwährungen und machen einen wichtigen Teil ihres Bruttoinlandsproduktes aus."
Kleine Volkswirtschaften wie Liberia, Nepal oder Tadschikistan bestreiten mittlerweile nahezu ein Drittel ihres Bruttoinlandsprodukts aus den Rücküberweisungen.
Nicht einberechnet in die Zahlen der Weltbank sind die informellen oder nicht dokumentierten Wege, Geld zu transportieren. Manche zum Beispiel nehmen beim Heimaturlaub die Finanzspritze für die Familie gleich selbst mit oder geben das Geld Freunden und Verwandten mit.
Oder sie wenden sich an Hawala-Agenten, die in Berlin-Neukölln nicht weit von der Western-Union-Filiale ihre geheimen und in Deutschland meist illegalen Dienste anbieten. Dieses jahrhundertealte Zahlungssystem basiert allein auf Vertrauen. Hawala-Banker können Betreiber von Reisebüros sein, Kioskbetreiber oder Friseure.
Sie nehmen das Geld ihrer Kunden an und geben im Gegenzug eine Nummer aus. Beim Partneragenten im Zielland kann nun jeder die Summe abholen, der über diese Nummer verfügt. Die Kosten sind relativ niedrig. Ausweise oder andere Dokumente werden nicht benötigt.
Die von der Weltbank dokumentierte Höhe der Rücküberweisungen sei also bestenfalls die Untergrenze, sagt Mechthild Schrooten. Sie ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Uni Bremen und untersucht seit Jahren die Geldtransfers von Migranten.
"Das faktische Volumen von Remittances ist wahrscheinlich wesentlich höher als das, was angegeben wird."
Im Vergleich zur gewaltigen Wirkung der Rücküberweisungen in den Zielländern sind die einzelnen Beträge überschaubar. Um die 300 Euro schicken Menschen im Monat zurück in ihre Heimat. Im Zielland hilft das Geld der Familie in der Regel, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder es wird als Reserve für den Notfall gespart.
Kirsten Schuettler von der Weltbank hebt als besonders positiv hervor, dass die Rücküberweisungen direkt bei den Menschen ankommen.
Das Bundesentwicklungsministerium will Alternativen zum Marktführer Western Union aufzeigen und hat die Website Geldtransfair.de geschaltet. Transfair wird hier mit ai geschrieben, ein Wortspiel aus Transfer und Fairness. Darauf können Absender von Rücküberweisungen die Kosten für Geldtransfers von Anbieter zu Anbieter vergleichen.
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/weltweiter-bargeldtransfer-so-kommt-der-euro-zur-familie.724.de.html?dram:article_id=422542 Von Benjamin Dierks