Was wir wollen: Positiven Frieden vorwärts bringen und paziwiefe Kultur schaffen. "Give peace a chance" - "La paix est votre chance" - "Si vis pacem, para pacem" - "Paco estas (via) ŝanco" - "Viva pacisma politiko"
Die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner zum Geburtstag am 9. Juni.
"Die Waffen nieder, sagt es allen!", das waren die letzten Worte von Bertha von Suttner. Und sie sprach sie 1914 aus, kurz vor Kriegsbeginn, vor dem sie stets gewarnt hatte und den sie mit aller Kraft verhindern wollte.
Bertha Sophia Felicitas Gräfin Kinsky von Chinitz und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag geboren und starb am 21. Juni 1914 in Wien. Sie gründete die "Österreichische Friedensgesellschaft", die "Deutsche Friedensgesellschaft" DFG-(VK) und war die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin. Den größten Erfolg hatte Bertha von Suttner außerhalb der Landesgrenzen, vor allem in den USA, wo sie auch als Idol der Frauenbewegung galt. Heuer wäre ihr 170. Geburtstag, kommendes Jahr ist ihr 100. Todestag.
Allerdings begann sich Bertha von Suttner erst im Alter von mehr als 40 Jahren für den Frieden zu engagieren, dann aber täglich und bis an ihr Lebensende. Zuvor hatte sie sich wenig für Politik interessiert.
Es war kein bestimmtes Kriegserlebnis, das dieses Interesse plötzlich ausgelöst hätte, sondern die allmähliche Entwicklung von einem typischen Fräulein Komtesse zu einer Frau, die viel las und in Darwins Evolutionstheorie den Motor für ihr Engagement fand: die Überzeugung, dass sich der Mensch zum Edelmenschen entwickeln würde, der Kriege schließlich als barbarisch ablehnt. Darin hat sie sich freilich getäuscht.
Aber kann dies ein Grund sein, über die "Naivität" der Bertha von Suttner und ihrer Mitstreiter/innen zu höhnen? Haben sich nicht auch die getäuscht, die glaubten, dass man mit militärischen Mitteln Konflikte lösen kann? Und hat dieser Irrtum nicht Millionen Menschenleben gekostet?
Der Glaube ist inzwischen etwas zerrüttet - zerstört ist er aber noch nicht. Nach Bertha von Suttner sollte der Weg zum Frieden über Abrüstung, internationale Rechtsprechung, Völkerbund und Friedenserziehung führen - heute ist vieles davon verwirklicht.
"Das Schwert ist Mannes eigen - wo Männer fechten, hat das Weib zu schweigen!", schrieb der Schriftsteller und Rechtswissenschaftler Felix Dahn in Richtung Bertha von Suttner, die umgehend konterte: "Es schweigt nicht, Herr Professor!"
Dahn war einer von vielen, die sich über die "Friedensbertha" lustig machten. Diese war nicht "auf den Mund gefallen", hütete sich aber davor, zu denselben "Waffen" wie ihre Gegner zu greifen. Sie ließ sich nicht herab auf das teils sehr niedrige Niveau der Karikaturisten und Schreiber. Für die weniger vornehmen Worte hatte sie ja ihre Tagebücher.
"Si vis pacem, para bellum!" - diesem "altrömischen Idiotensatz" setzte sie die pazifistische Überzeugung: "Si vis pacem, para pacem!" entgegen. Am Frieden muss man hart und kontinuierlich arbeiten. Von morgens bis abends schrieb die Friedensaktivistin Briefe an Schriftsteller/innen, Politiker und andere Personen der Öffentlichkeit, um sie für die von ihr gegründete "Österreichische Friedensgesellschaft" zu gewinnen - als Mitglieder oder Geldgeber. Und sie ging dabei äußerst hartnäckig und lästig vor - wie ein "Vampyr", das sagte sie selbst von sich.
Ihr Roman "Die Waffen nieder!" wird in seiner Absicht und Wirkung gern mit "Onkel Toms" Hütte verglichen. Auch dieses Buch wurde ein internationaler Bestseller. Bertha von Suttner schrieb das Werk, das ihren Ruhm begründete, im Alter von 46 Jahren. Ihr Einkommen hatte sie aber schon zuvor mit dem Schreiben verdient, vor allem mit Liebesgeschichten.
Die Protagonistin von "Die Waffen nieder!", Martha, weist große Ähnlichkeiten mit Bertha auf, auch sie entwickelt sich zu einer überzeugten Gegnerin des Krieges. Der jungen Komtesse erscheinen die uniformierten Militärs neben den Zivilisten "wie Schmetterlinge neben Maikäfern". Natürlich weint sie, als ihr Mann in den Krieg zieht, doch noch schwingt Stolz mit und die Überzeugung, dass dies ebenso sein müsse. Das ändert sich erst nach dem Tod des jungen Familienvaters in der Schlacht von Solferino.
Apropos Solferino: Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, war der erste Träger des nach Alfred Nobel benannten und von ihm gestifteten Preises. Bertha von Suttner, die als junge Frau einige Monate Nobels Sekretärin war, blieb bis zu dessen Tod mit ihm in regem Kontakt und fand - auf den ersten Blick absurderweise - in dem Erfinder des Dynamits den großzügigsten Unterstützer der Friedensbewegung.
Liiert war sie mit Arthur von Suttner. Nach dessen Tod trug sie den Witwenschleier - ihr Erkennungszeichen auf Geldschein bzw. -münze. Man mag den Wechsel der Friedensnobelpreisträgerin vom 1.000-Schilling-Schein auf die Zwei-Euro-Münze als Abwertung sehen, andererseits wurde sie neben Mozart (EUR 1,-) als eine der beiden Persönlichkeiten ausgewählt, mit denen Österreich für sich und seine Werte wirbt.
Umso unverständlicher ist, dass in Wien nur eine kleine Sackgasse im 22. Bezirk nach ihr benannt ist. In der Gegend hat sie freilich nie gewohnt, sondern zog - nachdem Schloss Harmannsdorf, der Sommersitz der Suttners, verpfändet werden musste - in die Zedlitzgasse.
Die liegt gleich ums Eck vom Dr.-Karl-Lueger-Platz (mit dessen Statue). Ausgerechnet! "Uns kommt der Ekel", kommentierte Bertha von Suttner den immer stärker werdenden Antisemitismus und gründete 1892 mit ihrem Mann einen Verein zu dessen Abwehr.
"Die Waffen nieder, sagt es allen!" Die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Zum 170. Geburtstag am 9. Juni. Hörbilder ein Radio-Feature von Isabelle Engels : hier Nachhören
Quelle: http://oe1.orf.at/programm/339548