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Was wir wollen: Positiven Frieden vorwärts bringen und paziwiefe Kultur schaffen. "Give peace a chance" - "La paix est votre chance" - "Si vis pacem, para pacem" - "Paco estas (via) ŝanco" - "Viva pacisma politiko"

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Politisches Buch: "Waffenhandel" von Andrew Feinstein

Es ist eines der finstersten Kapitel in diesem Buch: Ende der 90er-Jahre tobt in Sierra Leone der Bürgerkrieg - Rebellen fallen in die Hauptstadt Freetown ein.

"In kaum vierzehn Tagen wurden Tausende unschuldiger Menschen ermordet. Hunderte von Gebäuden wurden geplündert und in Brand gesteckt, zurück blieb die ausgebrannte Hülse einer Stadt. Der Terror hatte wirklich etwas Endzeitliches." (Buch-Zitat)

Genehmigte Rüstungsdeals und illegaler Waffenhandel

Die Mörder sind bestens ausgestattet: Ein ukrainischer Waffenhändler hat kurz zuvor 90 Tonnen Waffen und Munition in seiner Privatmaschine einfliegen lassen. "Und diese Waffen stammten eben nicht nur aus Russland, sondern aus Deutschland, den USA, Großbritannien. Man kann nicht so tun, also habe der offizielle Waffenhandel der Staaten nichts mit Lieferungen wie diesen zu tun", sagt Buchautor Andrew Feinstein.

Für ihn sind die genehmigten Rüstungsdeals einerseits und der illegale Waffenhandel, der UN-Embargos unterläuft, von Korruption lebt und Kriegsverbrecher ausrüstet, eben keine getrennten Welten.

Feinstein weiß von keinen sauberen Geschäfte

  Detailansicht des Bildes Andrew Feinstein recherchiert seit fast zwölf Jahren in Sachen Waffenhandel. Und Feinstein weiß wovon er spricht und schreibt: Seit fast zwölf Jahren recherchiert der gebürtige Südafrikaner dem Geschäft mit Feuerwaffen, Flugzeugen oder sonstigem Kriegsgerät hinterher. Saubere Waffen-Geschäfte? Andrew Feinstein schüttelt den Kopf: "Ich bin auf keinen einzigen Deal gestoßen, der komplett legal gewesen wäre."

Feinsteins Motiv, sein Antrieb für die brisanten Recherchen - die ihm auch schon Drohungen einbrachten -, findet sich in seiner Biografie: Um die Jahrtausendwende ist er Abgeordneter der südafrikanischen ANC-Partei. In einem Parlaments-Ausschuss will er Waffengeschäfte mit Großbritannien untersuchen. "Politiker treten ja für die Rüstungskonzerne oft als Top-Verkäufer auf. Tony Blair etwa hat damals Südafrika überredet, britische Kampfjets zu kaufen, die unsere Luftwaffe gar nicht haben wollte. Blair machte erfolgreich Druck - und am Ende waren 115 Millionen Pfund an Schmiergeldern geflossen", so Feinstein.

Feinstein schreibt packend

Feinsteins Untersuchung wird lästig - und auf Druck von oben eingestellt, Feinstein selbst aus der Partei geworfen. Seitdem schreibt er Bücher zum Thema - und weiß inzwischen: dass die demokratischen Kontroll-Instanzen vor der Waffenlobby kapitulieren, das gehört zum System.

So auch beim größten Rüstungsauftrag aller Zeiten zwischen Saudi-Arabien und der Waffenschmiede British Aerospace: Ein kompliziertes Öl-gegen-Waffen-Konstrukt, bei dem Schmiergelder in Milliardenhöhe fließen - von Feinstein rekonstruiert wie ein packender Justizkrimi -  wenn auch hier Anti-Korruptionsermittler ausgebremst werden. Von Politikern, die gerne auf übergeordnete "nationale Interessen" verweisen.

"Die Angst vor dem Terror  kam beiden Seiten des Waffenvertrags gelegen - den Saudis, denen nicht daran gelegen war, dass das ganze Ausmaß ihrer Korruptheit ans Licht kam, und der britischen Regierung, die sich nicht gern nachsagen lassen wollte, sie betreibe Lobbyarbeit für die Rüstungsindustrie." (Buch-Zitat)

Die illegalen Deals der Firma Merex

Feinsteins Fokus liegt zwar auf der angloamerikanischen Rüstungsindustrie, aber auch über Deutschland weiß er Einiges zu berichten: über das einstige Netzwerk der Bonner Firma Merex etwa, gegründet von SS-Veteranen und gefördert durch deutsche Geheimdienste ist sie über Jahrzehnte einer der "Global Player", auch bei illegalen Deals.

"Als Jugoslawien nach dem Ende des Kalten Krieges zerfiel, war Merex ein bedeutender Akteur auf dem Balkan. Da sehr früh Waffenembargos über die gesamte Region verhängt wurden, waren die Konfliktparteien händeringend auf der Suche nach Rüstungsgütern - eine Sternstunde für wagemutige Waffenhändler." (Buch-Zitat)

Schwergewichtiges Kompendium auf 840 Seiten

Andrew Feinstein erzählt sachlich, aber fesselnd. Seine Episoden aus der Schattenwelt belegt er dabei fast detailversessen: Insgesamt 2.500 Fußnoten ziehen sich durch das Buch, machen es mit mehr als 840 Seiten zu einem schwergewichtigen Kompendium. Diese Akribie ist Feinsteins großer Verdienst: Seit Jahrzehnten gab es keine so präzise Bestandsaufnahme und Chronik des weltweiten Waffenhandels - und seiner Protagonisten, der Waffenhändler.

Sie sind die "praktischen Strohmänner" zwischen Rüstungskonzernen und Kriminellen, zwischen Exportnationen und Diktatoren. Einige dieser "Lords of War" hat Feinstein persönlich getroffen. "Es ist nicht Ideologie, die diese Leute antreibt, sondern die Lust aufs Geld, aber auch ein gewisser Abenteurergeist. Sie alle sind aber unfähig zu erkennen, welche Konsequenzen ihr Handeln nach sich zieht", so Feinstein.

Deutschland drittgrößter Waffenexporteur der Welt

Waffenhändler, die mit Feinstein offen über Bestechungspraktiken und illegale Geschäfte redeten, hatten jedenfalls keine Angst vor strafrechtlichen Folgen - sie genießen auch weiterhin Protektion durch höchste Stellen, sagt der Autor.

Andrew Feinstein hofft dennoch, mit der deutschen Übersetzung seines Buches auch hierzulande eine Debatte über den Waffenhandel und seine Grauzonen loszutreten. Deutschland immerhin ist aktuell der drittgrößte Waffenexporteur der Welt.

Cover des Buches "Waffenhandel - Das globale Geschäft mit dem Tod" von Andrew Feinstein. © Hoffmann und Campe
Waffenhandel. Das globale Geschäft mit dem Tod

Andrew Feinstein

  • Bestellnummer: 978-3-455-50245-9
  • Verlag: Verlag Hoffmann und Campe
  • Preis: 29,99 €

 

Quelle: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/waffenhandel101.html

- http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1701670/

siehe auch: Themenabend bei ArteTV: Waffenhandel - Ein Bombengeschäft

- http://www.aufschrei-waffenhandel.de/

 

Ethik und Moral - Fehlanzeige

Andrew Feinstein: "Waffenhandel".

Insbesondere die Industriestaaten profitieren von dem globalen Geschäft mit dem Verkauf von Waffen und Munition. Andrew Feinsteins Buch über den weltweiten Waffenhandel ist ein Appell an die westlichen Regierungen, dem Treiben ihrer mächtigen Rüstungskonzerne Grenzen zu setzen.

Er war Afrikas dienstältester Herrscher, der selbsternannte Revolutionsführer Libyens, Muammar al Gaddafi. Noch vor gut einem Jahr gab er sich siegessicher, die Aufstände in seinem Land niederschlagen zu können:

"Mein Volk, alle Menschen lieben mich. Sie werden sterben, um mich zu beschützen."

Die Bilder sind um die Welt gegangen: ein blutiger Bürgerkrieg, bei dem am Ende mindestens 30.000 Menschen starben. Ein Krieg, der nur möglich wurde, weil der Westen Libyen in den Jahren zuvor großzügig mit Waffen versorgt hatte.

Die Rebellen bekamen die geballte Schlagkraft von Gaddafis Arsenalen zu spüren, und die USA und ihre europäischen Verbündeten befanden sich wieder einmal in der absurden Lage, dass sie gegen ihre eigenen Waffen kämpften, schreibt Andrew Feinstein in seinem Buch "Waffenhandel".

Das Schlaglicht auf Libyen eines unter vielen, das eindrucksvoll zeigt: Das globale Geschäft mit dem Verkauf von Waffen, Munition und Ausrüstung ist vor allem ein Geschäft der Industriestaaten. Weltmarktführer sind und bleiben die USA, auf deren Konto gut 40 Prozent der weltweiten Waffenverkäufe gehen. Kein anderes Stichwort liefert so viele Einträge im umfangreichen Namensregister des Buches wie Lockhead Martin, der US-Rüstungskonzern. Auch die britische Waffenschmiede BAE Systems steht oft im Mittelpunkt des Buches, oder auch der deutsche Anlagenbauer Ferrostaal aus Essen.

Andrew Feinstein: "Diese Firmen neigen dazu, sehr enge Verbindungen zu ihren Regierungen zu pflegen. Sie haben Zugang zu den wichtigsten Entscheidungsträgern, und oft auch gute Kontakte zu den Geheimdiensten. Das ist ein sehr komplexes Beziehungsgeflecht, das im Dunkeln operiert. Denn all das geschieht im Geheimen unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit. Das ist beunruhigend - aber auch faszinierend."

Und diese Faszination des Autors ist dem Buch anzumerken. Akribisch hat Andrew Feinstein über Jahre hinweg Quellen gesammelt: Zeitungsartikel, Ermittlungsberichte und Archivmaterialien. Gut 2500 Fußnoten sind Ausdruck davon. Trotzdem ist es kein wissenschaftliches Werk, sondern ein Sachbuch für jedermann, wenn gleich die Lektüre angesichts der enormen Detailfülle mitunter ermüdend ist. Besonders authentisch: das Kapitel über ein Waffengeschäft in Südafrika. Um die Jahrtausendwende kündigte die Regierung des damaligen Präsidenten Thabo Mbeki ein umfangreiches Beschaffungsprogramm an. Kampfjets aus Großbritannien und Schweden, U-Boote und Fregatten aus Deutschland, Hubschrauber aus Italien. Feinstein saß zu dieser Zeit als Abgeordneter des ANC im südafrikanischen Parlament.

Wir fanden heraus, dass Thabo Mbeki zu der Zeit, als er behauptete, die Regierung habe nicht genügend Mittel, um den Millionen von HIV-infizierten Südafrikanern lebensrettende Medikamente zur Verfügung zu stellen, Rüstungsverträge abgeschlossen hatte, die zum Zeitpunkt ihrer vollständigen Erfüllung das Land mehr als sieben Milliarden Euro gekostet haben werden. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass Südafrika keinerlei Bedrohungen von außen ausgesetzt ist.

Mitgeholfen haben Schmiergelder und Provisionen von mehr als 220 Millionen Euro an Mittelsmänner, leitende Beamte, hohe Politiker und den ANC selbst, sagt Feinstein. Die Partei habe das Geld dringend gebraucht für den bevorstehenden Wahlkampf.

Waffenhandel und Korruption seien auf's Engste miteinander verbunden, sagt Feinstein. Er zitiert Transparency International, wonach der internationale Waffenhandel für gut 40 Prozent aller gezahlten Schmiergelder weltweit verantwortlich ist. Die Regierungen duldeten dieses Verhalten, weil Waffengeschäfte eine wichtige Einnahmequelle für die Parteikassen seien, erklärt der Autor. Nicht zuletzt die CDU-Spendenaffäre um den Rüstungslobbyisten Karl-Heinz Schreiber habe dies auch in Deutschland gezeigt.

Feinstein: "Deshalb spielen auch die Mittelsmänner - die Händler, Makler oder Agenten - so eine wichtige Rolle. Denn wenn die Korruption auffliegt, dann können die Regierungen und die Rüstungsfirmen sagen: Moment, wir haben diesen Agenten beauftragt, und der hat geschmiert - was natürlich Blödsinn ist."

Das Bild des Waffenhändlers in der Öffentlichkeit - geprägt in den vergangenen Jahren auch vom Hollywoodstreifen "Lord of War - Händler des Todes". Für die Hauptrolle stand Victor But Pate, ein Russe, der nach dem Fall der Berliner Mauer Waffen aus dem Ostblock in so ziemlich jedes Konfliktgebiet dieser Welt geliefert hat, oft sogar für beide Seiten.

Feinstein zeichnet seine Geschäfte nach, seinen Aufstieg ebenso wie seine Verhaftung. Darin liegt eine große Stärke des Buchs: Der Autor versteht sich als Erzähler. Er vermittelt die Geschichten, Entwicklungen und Beziehungen der Schattenwelt anhand zahlreicher Protagonisten, von Charles Taylor, dem brutalen Ex-Diktator Sierra Leones, über saudische Prinzen, bis hin zu Joe Der Hovsepian, einem libanesischen Waffenschieber, den Feinstein für das Buch interviewt hat, nach dem er ihn - mehr oder weniger zufällig - über das soziale Netzwerk Facebook aufspüren konnte.

Feinstein: "Eines Abends hat er mich plötzlich angerufen und zum Gespräch eingeladen nach Amman in Jordanien in sein Büro. Also bin ich geflogen. Und er Stunden damit verbrachte, mir Geschichten zu erzählen aus seinen 40 Jahren im Geschäft, wie er sämtliche UN-Waffenembargos umgangen hat. Ein absolut charmanter Herr. Er bestand sogar darauf, mich nach dem Interview zurück ins Hotel zu fahren."

Charmant und mit großen Egos, das sei typisch für die "Big Player" im Waffengeschäft, sagt Feinstein, wohl aber auch ein fast völliger Mangel an Ethik und Moral. Das gerade zu rücken, ist die Mission des Autors. So umfangreich wie wohl nie zuvor hat er zusammengetragen, was sich aus dieser mächtigen, aber verschwiegenen Welt zusammentragen lässt. Sein Appell richtet sich vor allem an die Regierungen der Industrieländer, dem Treiben ihrer mächtigen Rüstungskonzerne Grenzen zu setzen.

Auch wenn die großen Rüstungskonzerne uns weiszumachen versuchen, sie hätten nichts zu tun mit der zwielichtigen Welt der Waffenschieber - die Wahrheit sieht anders aus. Die Grau- und Schwarzhändler bilden einen eigenen, inoffiziellen Markt für Waffen und Kriegsgerät, der sich selbstverständlich aus der Produktion der offiziellen Industrie speist.

Doch Andrew Feinstein selbst hat wohl die größten Zweifel, dass es gelingt, den internationalen Waffenhandel einzudämmen. Im 20. Jahrhundert - so schreibt er im Schlusswort - seien 231 Millionen Menschen in kriegerischen Konflikten gestorben, die der Waffenhandel entweder erst ermöglicht oder aber verschärft habe. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts deute darauf hin, dass diese Zahl noch einmal überboten werden dürfte.

"Waffenhandel. Das Globale Geschäft mit dem Tod" - so der Titel des Buches von Andrew Feinstein: Erschienen ist es im Verlag Hoffmann und Campe, es hat 847 Seiten und kostet Euro 29,99 - ISBN: 978-3-455-50245-9. Unser Rezensent war Andreas Kolbe.


Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1701670/

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