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Was wir wollen: Positiven Frieden vorwärts bringen und paziwiefe Kultur schaffen. "Give peace a chance" - "La paix est votre chance" - "Si vis pacem, para pacem" - "Paco estas (via) ŝanco" - "Viva pacisma politiko"

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Wie ticken Börsianer ?

Wenn die Probleme zu komplex werden, ziehen sich Börsenmakler wie andere Menschen auf das scheinbar Bewährte und Sichere zurück - so die Schlussfolgerung von wissenschaftlichen Studien über die Entscheidungsfindung von Börsianern. Nicht die logische Analyse ist dann wichtig, sondern das alte Modell von der Welt: das Gefühl von Sicherheit. 

Sind Börsenhändler und Investment-manager geldgieriger als andere Menschen? Sind sie Egoisten und Spielertypen, die das absolute Risiko lieben?  Seit einigen Jahren jedoch haben Psychologen und Hirnforscher begonnen, diese Frage auch ernsthaft wissenschaftlich zu erforschen. Sie rennen dabei gegen uralte Dogmen der Wirtschaftswissenschaftler an.

Doch in einem Vergleich von Börsenprofis mit einer Gruppe von Laien zeigte sich: Beide Gruppen überschätzten sich. Sie waren nicht nur in den Prognosen ziemlich schlecht, sondern trauten auch ihrer eigenen Kompetenz viel zu viel zu. Und die Überschätzung der eigenen Sicherheit scheint mit steigender Expertise sogar noch weiter zu wachsen.

Steckt hinter dieser Selbstüberschätzung noch viel mehr?

Psychopathen sind Menschen, die besonders rücksichtslos, egoistisch und manipulativ sind und zu kriminellen Handlungen neigen. Im Jahr 2008 hatten Regensburger Wissenschaftler das Wettkampfverhalten von Psychopathen mit dem von unbescholtenen Bürgern verglichen.

Der Forensische Psychiater und Jurist Dr. Thomas Noll machte das gleiche Experiment nun mit 28 Finanzmarktakteuren. 25 von ihnen arbeiteten als klassische Börsenhändler in den fünf größten Schweizer Banken. Zwei waren Rohstoffhändler, einer leitete einen Hedgefonds. Sie hatten sich an einem Computermonitor folgender Aufgabe zu stellen:

Man muss sich vorstellen, dass man aufgrund einer Dürre in einer Katastrophe lebt und das Wasser wurde durch die lokalen Behörden verteilt. Das ist die einzige Art, ein Wasser zu kommen, jeder kann um 8:00 Uhr morgens seine Wasserration abholen. Wenn man betrügen will, dann kann man bei den Behörden so tun als ob man auch das Wasser des Nachbarn abholen möchte und bekommt die zusätzliche Ration so lange, bis der Nachbar, durch einen Computer simuliert, dies merkt und selbst beginnt, zu betrügen, in dem er sich früher zu der behördlichen Wasserstelle begibt. Wenn beide Spieler betrügen, bekommen beide auch weniger Wasser. Wenn nur ein Spieler betrügt, der andere aber nicht, kann der erste einen Gewinn machen. In jeder der 40 Spielrunden können sich die Teilnehmer neu entscheiden.

Die Resultate

Die Trader waren weniger kooperativ als die Durchschnittsbevölkerung und als die Psychopathen, es war also insgesamt die egoistischste unkooperativste Stichprobe der drei Studienpopulationen. Die Durchschnittsprobanden verhielten sich statistisch gesehen noch nicht einmal in einem der 40 Spielzüge unkooperativ, die Psychopathen knapp fünfmal. Die Finanzmarktakteure jedoch zwölfmal. Ein zweites, überraschendes Ergebnis des Experiments war: Obwohl die Trader häufiger betrogen, hatten sie im Endergebnis kaum mehr Wasser gehortet als die Durchschnittsprobanden und sogar weniger als die Psychopathen. Das heißt, sie haben den Gewinn des Gegenspielers reduziert, nur um den eigenen relativen Gewinn zu erhöhen, ohne dass der absolute Gewinn der Trader erhöht wurde.

Sie haben damit insgesamt kein besseres Resultat erzielt als die Durchschnittsbevölkerung, aber den Gegenspieler ruiniert.

Auch Hirnforscher möchten diese Zusammenhänge verstehen

Vor allem Menschen mit narzisstischer Suchtkomponente werden offenbar vom Finanzmarktgeschäft angezogen, welches sie mal zu manisch-euphorischen, mal zu depressiven Ausschlägen treibt. Solche Menschen wollen sich permanent so schnell wie möglich beweisen und Gewinn erzielen, ansonsten fallen sie in ein tiefes Loch. Was aber ist genau gemeint, wenn man von einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur der Finanzmarktakteure spricht? Ist es wirklich ein ganz bestimmter, fixer Charaktertyp? Oder ist es eine Disposition, die gut zum Auf und Ab der Märkte passt, weil sie schnelle Übergänge von Selbstüberschätzung zu Angst und Panik ermöglicht?

Auf der biologischen Seite spielt das Männlichkeitshormon Testosteron eine Schlüsselrolle, wenn wir Risiken auf uns nehmen. Bei Untersuchungen zeigte sich, je mehr Testosteron in dem Blut der Börsenhändler ist, desto sicherer fühlen sie sich und gehen mehr Risiken ein. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Denn Testosteron erhöht auch die Aufmerksamkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit. Vor allem diejenigen von ihnen, die von Geburt an sehr viel Testosteron im Blut haben, halten diesen aufreibenden Job offensichtlich auch länger durch und sind erfolgreicher.

Die Hormone spielen verrückt

Wenn der Testosteronspiegel aber dauerhaft zu hoch wird, kippt das. Die Händler gehen dann nicht mehr klug mit dem Risiko um, sondern werden rücksichtslos und unbesonnen. Sie sind dann auf dem Trip, sich wie ein unschlagbarer Superheld zu fühlen. Genau entgegen gesetzt wirkt das Stresshormon Cortisol. Wenn es in geringen Dosen ausgeschüttet wird, dann fühlen sich auch Börsenhändler motiviert und sind bester Dinge. Ab einer bestimmten Schwelle jedoch schlägt die Entwicklung um.

In einer Untersuchung in der Londoner Börse wurde beobachtet, dass der Cortisolspiegel bei den Händlern enorm anstieg, sobald die Kurse zu schwanken begannen. Vor allem aber ging ihre Bereitschaft, Risiken einzugehen, radikal zurück, wenn der Hormonpegel 10 Tage lang auf diesem hohen Niveau blieb. Die Händler wurden übervorsichtig, ängstlich und stießen massenhaft Beteiligungen ab.

Testosteron ist das Molekül für übertriebene Zuversicht, Cortisol das für übertriebenen Pessimismus. Ein Aufschwung an den Börsen wird sich daher unter dem Einfluss steigender Testosteronwerte in eine Blase verwandeln, und ein Abschwung über steigende Cortisolwerte in einen Crash.

Ein labiler ökonomischer Mechanismus trifft auf eine labile Psyche

Hohe Boni und unregulierte Märkte bieten den Anreiz zur Spekulation und zur Überhitzung: vom Testosteron gepusht treiben die Händler dann die Börse in eine Blase. Ist die Krise da, herrschen Angst und Panik vor riesigen Verlusten vor, Cortisol übernimmt das Ruder und dreht nun den Gang der Dinge in die Gegenrichtung. Die Händler verkaufen nur noch, die Kurse rutschen in den Keller. Offenbar arbeiten vor allem solche Menschen an der Börse, die dieses Zusammenspiel aushalten, weil sie in gewisser Egomanie immer nur an den nächsten großen Erfolg denken.

Was also ist zu tun? Viele Vorschläge der Wissenschaftler decken sich mit denen, die sowieso schon diskutiert werden. Der Hochfrequenzhandel sollte verboten oder zumindest eingeschränkt werden, ebenso die Höhe der Bonuszahlungen. Vor allem sollten diese auf Langfristigkeit angelegt sein und nicht schon nach einem kurzfristigen Gewinn ausgezahlt werden. Man könnte einen Eignungstest für Investmentmanager einführen, um völlig egoistische Kandidaten auszuschließen.

Einig sind sich die Wissenschaftler jedenfalls in einem Punkt: Auf eine Selbstregulation der Märkte dürfe man nicht mehr setzen, sonst gehe das fatale Spiel von Überhitzung und Krise immer weiter und weiter. Und weiter.

Von Martin Hubert; Internetfassung: Ulrike Barwanietz

Audio herunterladen (25.18 MB | mp3)

Quelle: http://www.swr.de/swr2/wissen/boersianer/-/id=661224/nid=661224/did=10922346/12behc5/index.html

 

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