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Finanzminister Wolfgang Schäuble tue nichts gegen Steuerbetrug

Peer Steinbrück fordert, Steuerbetrug und Steuerhinterziehung unmissverständlich zu bekämpfen. Dies sei dringend nötig, denn Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) tue nichts gegen Steuerkriminalität – wie das Nicht-Kaufen von Steuer-CDs beweise.

Nachdem jahrelang nichts passiert ist, fordert Finanzminister Schäuble nun von dem für die jüngsten Enthüllungen über Steuerbetrug verantwortlichen Journalistennetzwerk ICIJ die Weitergabe der Daten an die zuständigen Steuerbehörden. „Wir gehen davon aus und begrüßen“ einen solchen Schritt, erklärte das Finanzministerium am Freitag.

Und doch fragt man sich, warum sich Schäuble seit Jahren gegen den Kauf von Steuer-CDs sträubt – liefern diese doch genau die Daten von Steuerhinterziehern, die der Finanzminister nun so dringend vom Journalistennetzwerk einfordert.

Kauf von Steuer-CDs ein lohnendes Geschäft

Die SPD spricht sich schon seit Jahren für Kauf von Steuer-CDs aus. Schon 2008 hatte der damalige Finanzminister Steinbrück auf die Frage, ob sich der Aufkauf von Steuer-CDs gelohnt habe, geantwortet: „Gelohnt? Das war das Geschäft meines Lebens: Gut vier Millionen Euro Investition und erwartete 300 Millionen Euro Ertrag. Sensationell! Und jeder sieht: Auch die da oben [die Reichen] müssen sich an die Regeln halten, die für alle gelten.“

Die Steuerbehörden der SPD-geführten Länder führten diesen Kurs in der Vergangenheit fort und sorgten für eine konsequente Bekämpfung der Steuerkriminalität. Die aktuellen Enthüllungen bestätigen nun abermals dieser Praxis: „Ohne die systematische Auswertung von Daten, die den Fahndern aus den Lecks eines dann doch nicht ganz perfekten Betrugssystems zur Verfügung gestellt werden, gäbe es keinerlei Handhabe“, sagte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf.

Steuerabkommen von Merkel und Schäuble hätte Steuerbetrüger geschützt

Schäuble hingegen nannte den Kauf von Steuer-CDs noch im September vergangenen Jahres eine „Perversion des Rechtsstaats“ und im Juli „scheinheilig“. Diese Rhetorik verdreht jedoch die Tatsachen, stellte Steinbrück am Freitag in Paris nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande klar: „Es ist ja diese Bundesregierung gewesen, die die Steuerfahndungsbehörden eher ins Abseits gestellt hat“.

Zudem sei das mit der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen „in allen Bezügen unzureichend gewesen.“ Straftäter seien damit weiter geschützt worden, sagte Steinbrück. „Das Bankengeheimnis der Schweiz ist völlig unkritisch weiterhin akzeptiert worden“, kritisierte Steinbrück.

Berlin habe es versäumt, die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf europäischer Ebene weiterzuverfolgen, so Steinbrück. Jährlich gingen so europaweit etwa 850 Milliarden Euro an Steuern verloren. Aus diesem Grund fordert der SPD-Kanzlerkandidat einen verbesserten internationalen Informationsaustausch und ein Ende der Doppelbesteuerungsabkommen mit Steueroasen. Banken sollten zudem haftbar gemacht werden, wenn sie Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisteten – bis hin zum Entzug der Banklizenz

Schwarz-Gelb habe im Kampf gegen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung nichts zu bieten. Die SPD sei die Partei, die gegen Steuerbetrug vorgehe. Erst im Januar haben die Sozialdemokraten mit der „Braunschweiger Erklärung“ dafür ein Konzept vorgelegt.

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Deutsche hinterziehen weltweit rund 400 Milliarden Euro

Journalisten haben weltweit Tausende Briefkastenfirmen in Steueroasen enttarnt. Viele Superreiche verstecken dort ihr Geld vor dem Fiskus. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert die Bundesregierung nun  auf, härter gegen Steuerbetrug vorzugehen.

„Steuerbetrug sei kein Kavaliersdelikt“, stellte der Ex-Finanzminister am Donnerstag in Berlin klar. Steuerbetrüger „untergrabe das Vertrauen in den Rechtsstaat und gefährde den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“
Um die große Mehrzahl der ehrlichen Steuerzahler zu schützen, forderte er die Bundesregierung auf, den weltweiten Kampf gegen Steuerverstecke mithilfe der OECD, der Europäischen Union und deren Nachbarstaaten zu führen. „Wir sollten härtere Strafen für jene Finanzinstitute einführen, die zum Steuerbetrug einladen und daran mitwirken“, sagte Steinbrück. Im äußersten Fall könne es auch um den Entzug der Banklizenz gehen. 

Fraktion: Schäubles Einsatz gefragt

Auch die SPD-Bundestagsfraktion forderte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag auf, das Thema Steueroasen in Europa ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen.

Es gehe nicht nur um entlegene außereuropäische Gegenden wie Panama und die Cayman Islands. „Auch innerhalb der Eurozone gibt es steuerliche Lockangebote, die dieses System erst möglich machen“, stellt SPD-Fraktionsvize Joachim Poß klar.

Riesiger Datensatz enthüllt geheime Geschäfte in Steueroasen

Nach übereinstimmenden Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) hatte eine anonyme Quelle Medien in 46 Ländern vertrauliche Informationen aus zehn Steueroasen zugespielt. Die insgesamt 2,5 Millionen Dokumente belegen der SZ zufolge, wie Wohlhabende und Kriminelle diverse Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern.



In dem 260 Gigabyte großen Datensatz werden dem Bericht zufolge 130 000 Anleger aus mehr als 170 Ländern aufgelistet. Darunter seien Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure. Laut SZ und NDR finden sich in den Dokumenten auch Hunderte deutsche Fälle.



Steuergewerkschaft: Deutsche hinterziehen weltweit rund 400 Milliarden Euro

Allein bei deutschen Steuerhinterziehern dürfte es weltweit ein Hinterziehungsvolumen von rund 400 Milliarden Euro geben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG), Thomas Eigenthaler, der Nachrichtenagentur dpa. „Wir wissen natürlich schon lange, dass weltweit ein solcher Wildwuchs besteht.“

Insider: Bislang größter Schlag gegen Steuerkriminelle

Die nun erfolgte Veröffentlichung nannte ein Insider in der SZ am Donnerstag den „bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft“. Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen. Den betrogenen Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von wenigstens 190 Milliarden Dollar (148 Milliarden Euro), heißt es in den Berechnungen von „Tax Justice Network“, einer internationalen Vereinigung, die sich Steuergerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Quelle: http://www.spd.de/aktuelles/94774/20130404_steuerbetrug_bekaempfen.html

siehe auch:  Mit voller Kraft gemeinsam gegen Steuerflucht

- Steuerhinterziehung: Mit UBS in die fernöstliche Steueroase

- Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking reicht nicht

- Banken umgehen Transparenzpflicht

32 Billionen Dollar in Steueroasen versteckt

- Deutsche sind so reich wie nie

- Der New Deal für die USA

- Die Finanzjongleure lachen sich ins Fäustchen  (Wenn sich Reiche vor der Steuer drücken) DLF vom 04.04.2013

 

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