Was wir wollen: Positiven Frieden vorwärts bringen und paziwiefe Kultur schaffen. "Give peace a chance" - "La paix est votre chance" - "Si vis pacem, para pacem" - "Paco estas (via) ŝanco" - "Viva pacisma politiko"
Anfang der 1970iger Jahre entwickelte der amerikanische Psychologe Thomas Gordon ein Kommunikationskonzept für Familien. Er plädierte dafür, den anderen so zu nehmen, wie er ist, und gleichzeitig aufrichtig zu sagen, was einem am Verhalten des anderen nicht gefällt.
Aufrichtiges Reden und "aktives Zuhören" helfen dabei, Konflikte zu lösen: Ohne Krieg, ohne Verlierer, ohne Gewalt.
Ein wichtiger Baustein in Gordons Strategie: Die zwölf Kommunikationssperren verhindern. Sie hindern den anderen daran, den Dialog fortzuführen. Für sein Kommunikationsmodell war er Ende der 90iger Jahre drei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert.
Befehlen, Anordnen, Auffordern
Warnen, Mahnen, Drohen
Moralisieren, Predigen, Beschwören
Beraten, Vorschläge machen, Lösungen liefern
(Ver)Urteilen, Kritisieren, Widersprechen, Vorwürfe machen, Beschuldigen
Belehren, durch Logik begründen
Loben, Zustimmen, Schmeicheln
Beschämen, Beschimpfen, Lächerlich machen
Interpretieren, Analysieren, Diagnostizieren
Beruhigen, Sympathie äußern, Trösten, Aufrichten
Nachforschen, Fragen, Verhören
Ablenken, Ausweichen, Aufziehen
Der US-amerikanische Psychiater Marhall B. Rosenberg führte Gordons Konzept weiter. Seiner Meinung nach kann Kommunikation nur funktionieren, wenn sie einfühlsam ist. Er hat das Konzept der gewaltfreien Kommunikation aus der Erfahrung der damaligen Bürgerrechtsbewegung heraus entwickelt. Seine Mediationen halfen, die Rassentrennung an Schulen zu überwinden, er hat zwischen verfeindeten Straßengangs vermittelt. Rosenbergs These lautet: Wir sind von Natur aus mitfühlend, haben uns aber an verbale Gewalt gewöhnt. Denn: Wir sind erzogen worden, zu urteilen und beurteilt zu werden, zu kritisieren und kritisiert zu werden. Schon auf der vermeintlichen Sachebene urteilen wir. Ein Beispiel des Kommunikationstrainers Klaus Karstädt.
"In meinen Seminaren fordere ich die Teilnehmer dazu auf, sich vorzustellen, als Vater oder Mutter in ein Kinderzimmer zu kommen und zu sagen 'Dein Zimmer ist nicht aufgeräumt.' Dann lasse ich mir per Handzeichen signalisieren, wer schon einmal ein nicht aufgeräumtes Zimmer gesehen hat. Das sind in der Regel die meisten, die die Hand heben. Wir leben in der Idee, natürlich gibt es aufgeräumte Zimmer. Dass das aber meine persönliche Interpretation ist über den Zustand des Zimmers , dass dem bestimmte Beobachtungen über Fakten zu Grunde liegen, das ist im Alltagsbewusstsein der meisten Menschen nicht vorhanden. Zu sagen: 'Dein Zimmer ist nicht aufgeräumt', das dauert 3 Sekunden; oder ich sage an der Stelle: 'Da liegen 5 T-Shirts am Boden, die Schuhe stehen auf dem Kopfkissen und 7 Colaflaschen stehen auf dem Fensterbrett!', was 10 Sekunden dauert. An den 7 Sekunden wird es nicht scheitern." Klaus Karstädt
Kommunikationstrainer Klaus Karstädt bringt seinen Klienten die Werte und Methode der gewaltfreien Kommunikation bei. Er stellt vor jedes Gespräch die Beobachtung anstatt der Bewertung. Eine wesentliche Voraussetzung, wenn ein Gespräch, eine Verhandlung, gelingen soll, ist außerdem die Empathie. Das altgriechische Wort bedeutet "Leidenschaft", ins Deutsche ist der Begriff am ehesten mit "Einfühlungsvermögen" übersetzbar. Empathie ist vom Wesen her nicht notwendigerweise an Sprache gekoppelt, sondern es ist eine innere Aufmerksamkeit, eine Präsenz und der Fokus liegt auf dem Gegenüber.
Klaus Karstädt erklärt in seinen Kursen das Phänomen der Empathie auch damit, beim anderen "zu Gast zu sein". Empathisch Vermutungen anzustellen, um herauszufinden: Was braucht mein Gegenüber eigentlich gerade, zu fragen: "Kann es sein, dass Du gerade Deine Ruhe brauchst?" Und nicht: "Kann es sein, dass Du Ruhe vor mir haben möchtest...?" Wird das Gegenüber empathisch abgeholt, kann man beobachten, wie sich die Lage entspannt, wie Tempo aus einem Streit genommen wird, Lautstärke aus einer Diskussion. Fühlt der andere sich verstanden, wird er weiterreden, oder vielleicht nur mit dem Kopf nicken. Empathie funktioniert also auch ohne Worte.
Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiofeature/kommunikation-schwierigkeiten100.html
siehe auch: Faire Kommunikation und Konfliktbewältigung nach Thomas Gordon
- Was ist Gewaltfreie Kommunikation?
- Über 1.000 Jugendliche ließen sich als Streitschlichter schulen