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4. Februar 2011 5 04 /02 /Februar /2011 09:46

Die GFK ist nichts Neues, sie ist kein Programm zum Auswendiglernen, sondern eher eine Haltung gegenüber unseren Mitmenschen und uns selbst. Eine Art "Sprache", die nicht in die Bewertung geht und auch nicht zwangsläufig zu einer Lösung führt. Vielmehr geht es darum, wieder Zugang zu sich selbst und zu seinen Gefühlen zu bekommen und sein Gegenüber wertschätzend wahrzunehmen. Dr. Marshall B. Rosenberg schreibt in seinem Buch "Gewaltfreie Kommunikation": „... alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.“

Rosenberg geht von den Annahmen aus, dass hinter jedem aggressiven Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis steckt, dass es keine negativen Bedürfnisse gibt und dass alle Menschen danach streben, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Doch sind Sie sich immer Ihrer Bedürfnisse bewusst? Oder derer Ihres Partners, mit dem Sie gerade streiten? Denn für ein Gefühl wie Wut gibt es die verschiedensten Gründe = unerfüllten Bedürfnisse. Mithilfe der GFK kommen Sie näher heran an Ihre Gefühle und an Ihre Bedürfnisse. Zugleich entwickeln Sie eine Haltung, mit der Sie auch für die Bedürfnisse Ihres Gegenübers offen sind. Dies schafft Verbindung und eine wertschätzende Gesprächsbasis - selbst wenn Ihr Gesprächspartner eigentlich auf Konfrontation aus war. Wie das gemeint ist und wie es funktionieren kann, erfahren Sie an Beispielen im folgenden Beitrag.

Hier noch eine Aussage aus Rosenbergs Buch zum Begriff der Gewaltfreiheit: "Ich nenne diese Methode Gewaltfreie Kommunikation und benutze den Begriff Gewaltfreiheit im Sinne von Gandhi: Er meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unseren Herzen nachlässt. Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als ‚gewalttätig’, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid – bei uns selbst oder bei anderen."

Werden Sie Brückenbauer! So verbessern Sie die Gesprächskultur

Am Anfang steht die Wahrnehmung

Gehen wir von einem konkreten Beispiel aus: Sie kommen müde nach Hause und finden „Chaos im Wohnzimmer“ vor. Damit Sie sich richtig ausdrücken, müssen Sie das, worum es geht, zunächst möglichst genau wahrnehmen. Genau diese Wahrnehmungen sprechen Sie dann auch aus - ohne zu bewerten. Anschließend drücken Sie Ihre Gefühle und Ihre damit verbundenen Bedürfnisse aus. Zuletzt äußern Sie eine konkrete Bitte oder schlagen eine Strategie vor.

Sie wenden sich also mit etwa folgenden Worten an Ihren Partner beziehungsweise Ihr Kind: „Ich sehe (Wahrnehmung), dass im Sessel Kleidungsstücke von dir liegen und am Fußboden deine Straßenschuhe stehen. Ich bin darüber verärgert (Gefühl), denn ich brauche (Bedürfnis) im Wohnzimmer mehr Ordnung, um mich wohl zu fühlen. Bitte (Bitte) räume deine Sachen an ihren Platz.“

Empathisch aufnehmen

Was aber ist, wenn Ihr Partner Sie abends genervt anfährt: „Verflixt noch mal, hast du schon wieder vergessen, meinen Mantel von der Reinigung zu holen? Du bist einfach chaotisch!“? Jetzt sind Sie gefragt: Bauen Sie eine Brücke zwischen sich und Ihrem Gegenüber, indem Sie seine Äußerungen „empathisch aufnehmen“. Das bedeutet, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit unabhängig von den Worten, die der andere gewählt hat, darauf richten, was er beobachtet, fühlt, braucht und erbittet. Nehmen Sie die Worte nicht persönlich, sondern seien Sie „ganz Ohr“ für den anderen.

Dann werden Sie vermutlich „hören“, was hinter dieser Äußerung steckt. Geben Sie das, was Sie gehört haben, mit eigenen Worten wieder, am besten in Frageform: „Bist du verärgert (Gefühl), weil du den Mantel morgen früh nicht anziehen kannst?“ Diese konkrete Wiedergabe zeigt Ihrem Partner, dass Sie ihn verstanden haben. Zugleich ermöglicht sie ihm, sich über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser klar zu werden.

Sollten Sie Ihren Partner missverstanden haben, so ermutigt ihn die Frageform zur Richtigstellung. So hat in unserem Beispiel möglicherweise nicht das Fehlen des Mantels den Ärger verursacht, sondern die enttäuschte Erwartung, dass Sie sich selbstständig um die Belange Ihres Partners kümmern. Kommt so eine Erwartung im weiteren Verlauf zur Sprache, spiegeln Sie auch diese wider: „Hast du das Bedürfnis, dir um den Alltagskram gar keine Gedanken machen zu müssen?“

Hindernisse beim Brückenbau

Viele Menschen sind in Gesprächsmustern gefangen, die dem Verständnis geradezu entgegenstehen. Hier einige Beispiele für das, was Sie vermeiden sollten: Angenommen, Ihr Kind beklagt sich über das Verhalten eines Mitschülers. Versuchen Sie nicht, auf der Stelle eine Lösung zu finden, indem Sie einen Ratschlag erteilen oder die Sachlage nach Art eines richterlichen Verhörs klären. Spenden Sie aber auch nicht als erstes Mitleid oder Trost, reden Sie das Problem nicht klein und lenken Sie nicht ab. Hören Sie stattdessen aktiv zu, sodass sich Ihr Kind verstanden und akzeptiert fühlt.

Seien Sie authentisch

Wichtig: Gewaltfreie Kommunikation ist weit mehr als eine Gesprächstechnik, sie ist eine Haltung gegenüber dem Gesprächspartner. GFK „funktioniert“ daher nicht, wenn Sie die genannten Gesprächsregeln rein mechanisch anwenden. Ihr Partner oder Ihr Kind spürt, ob es Ihnen lediglich um eine schnelle „Lösung“ in Ihrem Sinne geht oder wirklich darum, eine Brücke der Verständigung zwischen Ihnen zu bauen. Wenn Sie also beispielsweise eine Äußerung des anderen in Form einer Frage wiedergeben, dann sollte Sie die Antwort Ihres Gesprächspartners tatsächlich interessieren! Und Ihr „Bitte“-Satz ist nur dann eine echte Bitte, wenn Sie auch ein „Nein“ respektieren können.

Zum Weiterlesen: Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation.

Wenn Sie noch mehr über die GFK erfahren wollen, haben Sie beim "Center for Nonviolent Communication" die Gelegenheit dazu. Der Webauftritt der von Rosenberg gegründeten internationalen Organisation präsentiert sich in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch – einige Unterseiten wie "Who we are" oder "Learn" gibt es jedoch auch in Deutsch. Ansonsten bietet Google direkt auf der Site eine Übersetzung ins Deutsche an - die ist zwar nicht besonders gut, kann aber an der einen oder anderen Stelle hilfreich sein.

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Published by Entrüster - in Gewalt-Gewaltlos
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